Warum glückliche Beziehungen bei uns selbst beginnen

Was ist eigentlich Liebe? Ist es das Kribbeln, das man nur dann verspürt, wenn man auf einen potenziellen Partner oder eine Partnerin trifft? Oder kann man Liebe auch für Freund:innen, kurzzeitige zwischenmenschliche Beziehungen oder auch sich selbst empfinden? Und wie genau fühlt sie sich dann an? Gibt es also einen einzigen Begriff für unterschiedliche Gefühle in uns? Und wie schafft man es, dass Liebe bleibt und nicht nach kurzer Zeit verschwindet? Wenn man über das tiefste Gefühl in sich nachdenkt, die Liebe, kommen zumindest bei mir viele Fragen auf. Manche davon lassen sich sicherlich kaum beantworten. Aber: Sie sorgen dafür, dass man sich tiefergehend mit dem Thema auseinandersetzt und sich selbst sowie die Beziehungen in seinem Leben überdenkt. Zwei Bücher haben mir dabei geholfen, meine Gedanken zu sortieren.

Was bedeutet Liebe für mich selbst?

Eines davon eher auf informative, unterhaltsame Weise: „Das kunterbunte Liebesbuch“ von Harald Havas. Das Buch beschäftigt sich tatsächlich nur mit dem Begriff der Liebe und beleuchtet, wie unterschiedlich sie definiert und auch wahrgenommen werden kann. Es macht deutlich: Eine universelle Definition kann es gar nicht geben. Am Ende kann jede:r nur für sich selbst entscheiden, was Liebe bedeutet und wie man für sich erkennt, ob man sie gerade spürt. Wie jede:r anders zeigt, dass er oder sie gerade ein Gefühl von Liebe empfindet. Aber schon diese Erkenntnis hilft beim Reflektieren: Man sollte immer auf das hören, was man selbst verspürt. Diese Gefühle kann einem niemand abnehmen oder sie einem aus- oder einreden. Allein dabei hat das Buch schon geholfen – und ist an manchen Stellen wirklich unterhaltsam, immer mit einem Augenzwinkern zu lesen und öffnet den Blick auf die manchmal doch etwas verstaubte Sicht auf den Begriff der Liebe.

Noch tiefer und ernster steigt allerdings Aino Simon in das Thema Liebe und Beziehungen ein: Die Expertin, die als Sozialwissenschaftlerin, Gestalttherapeutin und Beziehungscoach tätig ist, hat mit dem Buch „Liebe lieber einzigartig“ ein Werk geschaffen, das die Sichtweise auf eine Liebesbeziehung mit ganz neuen Blickwinkeln versieht. Aber vor allem macht Simon eines ebenfalls deutlich – und das spiegelt sich bereits im Untertitel wider: „Finde das Liebesglück, das zu dir passt“, heißt es dort. Also: Die für sich passende Liebe kann nur jede:r für sich selbst finden. Und darf sich nicht von gesellschaftlichen Vorgaben, Traditionen oder fragwürdigen Vorbildern vorschreiben oder einreden lassen, wie Liebe oder eine Liebesbeziehung zu sein hat. Dass man sich aber oftmals (wenn auch unbewusst) noch von außen leiten lässt, ist mir nach dem Lesen auch noch klar geworden. Und dass man sich manchmal noch selbst belügt und gar nicht wirklich ehrlich zu sich selbst ist.

Die Expertin macht das in ihrem Buch wunderbar schlüssig deutlich. Sie erklärt, warum es in Beziehungen oft zu Eifersucht, Fremdgehen oder Streit kommt – und gibt hilfreiche praktische Tipps, um genau solche Situationen zu vermeiden. Aber nicht, um sie aufzuschieben, sondern sie hilft dabei, Emotionen besser zu verstehen und damit umzugehen, so dass sie uns nicht im Wege stehen. Sie hilft also dem Leser bzw. der Leserin dabei, zu sich selbst zu finden, sich selbst besser zu verstehen und auch anderen zu erklären, ganz tief in sich hineinzuhören und es zuzulassen, die eigenen Bedürfnisse ganz frei zu erkennen und zu äußern. Egal, um welche Bedürfnisse es sich dabei handelt.

Wir sollten unseren Blick für eine neue Art der Beziehung öffnen

„Wer weiß, was Liebe braucht, kann sie erhalten, selbst wenn es schwierig wird. Beziehungen verlangen nach aktiven Entscheidungen, nach Mut, Entwicklung und Konfliktfähigkeit“, steht auf der Rückseite des Buches geschrieben. Und bringt auf den Punkt, was es für eine gut funktionierende Beziehung braucht und dass sie niemals vollkommende Sicherheit bieten kann oder immer gleich bleiben kann – und auch nicht sollte. Simon macht das unter anderem am Beispiel eines Paares deutlich, das viele typische Eigenschaften in Beziehungen verkörpert und das immer an strengen monogamen Regeln festgehalten hat. Was passieren kann, wenn man sich davon löst und den Blick öffnet, beschreibt Aino Simon in ihrem Buch auf sehr augenöffnende Weise. Und ich finde, dass wirklich jede:r es lesen und verinnerlichen sollte.

Ich will daher gar nicht vorwegnehmen, was das Buch alles beinhaltet und warum es hilfreich ist – das kann ich schließlich auch nur aus meiner subjektiven Perspektive beschreiben. Aber was das Buch auch vermittelt und was es dem einen oder der anderen schmackhafter machen könnte: Es führt durch fünf Schritte zu mehr Liebeskompetenz. Denn, ja: Liebe kann und sollte man lernen und an ihr arbeiten. Diese Schritten lauten grob:

  • Schritt 1Steige aus dem Streit aus: Der Streit endet, wenn du nicht streitest; du kannst jederzeit die Ebene wechseln und lösungsorientiert und respektvoll mit dem Konflikt umgehen.
  • Schritt 2Gefühle wahrnehmen, aushalten, richtig deuten und beeinflussen: Du kannst deiner Partnerin oder deinem Partner ihre oder seine eigenen Gefühle zugestehen, ohne selbst sofort in eigene Gefühle und Gedankenschleifen zu rutschen.
  • Schritt 3 | Verzichte auf das Rechthaben: Wenn du gelernt hast, dass Schwarz und Weiß nicht hilft, dann bringst du damit Entspannung in eure Beziehung.
  • Schritt 4 | Hole Positivität in dein Herz: Mach dich selbst täglich auf das Gute aufmerksam, sag dir, was du an dir und deinem Leben schätzt; ein Dankbarkeits-Tagebuch kann dabei helfen.
  • Schritt 5 | Liebe entsteht durch liebevolle Handlung: Hör deinem Gegenüber zu, fühle dich ein, denke mit und unterstützt einander.

Wer sich selbst also noch mehr kennenlernen, andere nicht verändern möchte, vielleicht auch immer wieder in Beziehungen auf Konflikte stößt und sich fragt, woran das liegen kann, sollte das Buch unbedingt lesen. Aber auch für alle anderen sind sicherlich hilfreiche Ansätze dabei, um Beziehungen leichter zu machen. Macht euch frei und liebt, wie ihr es möchtet und wie es euch glücklich macht!

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